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Literaturhaus Villa Clementine
Wiesbaden
Das Literaturhaus in Wiesbaden versteht sich nicht allein als Ort, an dem rezitiert und diskutiert wird. Es will mit allen Sinnen Lust auf Literatur und auf das Lesen machen. Außerdem will das Programm einen Gegenpol zur fortschreitenden Ökonomisierung von Literatur bilden und auch Autoren vorstellen, die nicht auf den Bestseller-Listen stehen. Weiterhin sollen thematische Schwerpunkte im Programm den Lesern Anhaltspunkte über Entwicklungen in einem schier unüberblickbaren Büchermarkt geben und zur inneren Konzentration und Kontemplation anregen. Mit der Reihe "West-östliche Horizonte" knüpft das Literaturhaus an den regen kulturellen Austausch mit Osteuropa während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts an, als der osteuropäische Adel mit Vorliebe in der Kurstadt weilte und der Schriftsteller Fjodor Dostojewski oder der Maler Alexej Jawlensky für eine gewisse Zeit hier gewirkt haben. Doch auch die Ost-Erweiterung der Europäischen Union hat den Wunsch nach kulturellem Austausch und nach der Suche nach gemeinsamen Traditionen und Wurzeln verstärkt. Regelmäßig wird unter anderem in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft oder dem Filmfestival "GoEast" neue Literatur aus Osteuropa vorgestellt. Die Reihe "Zeitfragen" widmet sich in loser Folge aktuellen gesellschaftlichen Themen und geht der Frage nach, auf welche Weise kulturelle Veränderungen oder soziale Phänomene literarisch reflektiert werden. Künstler, insbesondere Schriftsteller, zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein ungewöhnlich feines Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen besitzen. Literatur wird zum gesellschaftlichen Seismogramm, das frühzeitig kulturelle Veränderungen registriert und Entwicklungen vorwegnehmen kann. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wiesbaden (FH) hat das Kulturamt - vertreten vom Literaturhaus Villa Clementine - 2004 die "Poetikdozentur: junge Autoren" ins Leben gerufen. Bisher waren Peter Stamm, Felicitas Hoppe, Daniel Kehlmann, Julia Franck, Albert Ostermaier und Sudabeh Mohafez als Gastdozenten berufen. In den Vorlesungen an der FH und Lesungen im Literaturhaus sollen sich junge Autorinnen und Autoren mit ihrem Werk auseinandersetzen. Dabei können der Schreibprozess sowie biografische Hintergründe des Schreibens erhellt, poetologische Erklärungen geliefert oder motivische oder literaturgeschichtliche Einordnungen gewagt werden. Das Wiesbadener Literaturhaus versteht sich als Ort, an dem sich Schriftsteller, Übersetzer, Lektoren, Verleger, Buchhändler, Medienschaffende und Literaturinteressierte treffen und arbeiten können - in Schreibworkshops, Lesungen, Vorträgen oder Tagungen. Dank des Einzugs des hessischen Landesverbandes des Börsenvereins im Deutschen Buchhandel Anfang 2001 und mit Hilfe der Aktivitäten des Presseclubs Wiesbaden e.V. im Erdgeschoss des Gebäudes ist eine enge Vernetzung und Kooperation der Literaturschaffenden möglich. Das Literaturhaus Villa Clementine stellt Räumlichkeiten für Stipendiaten des Literaturrats aus hessischen Partnerregionen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es weit reichende Kooperationen mit dem Staatstheater Wiesbaden (unter anderem "Neue Stücke aus Europa") und dem Hessischen Rundfunk (hr2-Hörfest Wiesbaden).
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