Magistrat der Stadt Hanau
Brüder-Grimm-Preis

Hanau


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Nicht nur Märchen:
Hanau und die Brüder Grimm

Der Lebensweg des weltberühmten Brüderpaares Jacob und Wilhelm Grimm verlief über viele Sta­ti­onen des In- und Auslandes. Man tut der Genialität dieser beiden Männer Unrecht, sie nur als Mär­chen­sammler zu bezeichnen, auch wenn die Über­setzung ihrer "Kinder- und Hausmärchen" in allen Welt­sprachen auflagenstärker nur von der Bibel übertroffen wird.

Sie verlebten ihre Jugendzeit in Steinau und Kas­sel, studierten in Marburg, erhielten in Kassel ihre erste Anstellung, wirkten als Professoren in Göt­tingen und Berlin. Sie waren Germanisten, Sprach­wissenschaftler, darüber hinaus Verfechter bür­gerlicher Freiheiten und Rechte. Sie erforschten die Rechtsaltertümer, die Poesie des Mittelalters und des Volksgutes. Ihr größtes Werk wurde neben der Deutschen Grammatik das Deutsche Wör­ter­buch.

Auch politisch waren sie engagiert. So war Jacob Legationssekretär in Paris und 1814/15 Gesandter beim Wiener Kongress, der Europa nach den Freiheitskriegen neu ordnen sollte. 1848 wurde er Abgeordneter der ersten deutschen Nationalversammlung, dem "Paulskirchenparlament" in Frankfurt am Main, wo er seinen - abgelehnten - Verbesserungsantrag zu Artikel 1 der Verfassung formulierte: "Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen macht er frei."

Beide Wissenschaftler gehörten 1837 zu den Göttinger Sieben, jenen Professoren, die sich dem Ver­fas­sungs­bruch Königs Ernst August von Hannover widersetzten und amtsenthoben wurden.

Hanau aber markiert den Beginn ihres Lebensweges. Hier wurden sie am 4. Januar 1785 (Jacob) und am 24. Februar 1786 (Wilhelm) geboren und erlebten ihre Kinderjahre, ehe der Vater 1791 als Amtmann in das nahe Steinau an der Straße versetzt wurde. Das Geburtshaus stand am heutigen Freiheitsplatz und fiel 1945, wie die gesamte Innenstadt, dem Bombenkrieg zum Opfer. Schräg gegenüber steht heute ein Gedenkstein. Eine Hinweistafel findet sich auch am späteren Wohnhaus Langstraße 41, in dem am 14. März 1790 ihr "Maler-Bruder" Ludwig Emil zur Welt kam. Vor allem aber das 1896 enthüllte Nationaldenkmal auf dem Marktplatz kennzeichnet Hanau als Geburtsstadt der Brüder Grimm und wurde eines ihrer Wahrzeichen. Das Standbild stammt von Professor Syrius Eberle/München und bringt das geistige Zusammenwirken der beiden großen Gelehrten in vollendeter Form zum Ausdruck, so wie das Brüderpaar zeitlebens bis zu seinem Tod untrennbar verbunden war. Es bildet den Ausgangspunkt der Deutschen Märchenstraße von Hanau nach Bremen.

Wilhelm starb am 16. Dezember 1859, Jacob am 20. September 1863. Ihre gemeinsame Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof der Berliner Matthäusgemeinde.

Ihre Heimatstadt hat den beiden Grimms (und auch dem Maler Ludwig Emil) ein ehrendes Andenken bewahrt. Aus einer Geisteshaltung heraus, die dem wissenschaftlichen Wirken der Brüder Grimm ent­sprach, wurde 1844 der Hanauer Geschichtsverein gegründet, der auch wichtige Zeugnisse und Do­ku­men­te ihres Lebens und Wirkens gesammelt hat. Sie sind heute im Historischen Museum Hanau in Schloss Philippsruhe zu sehen. Das Museum hat dienstags bis sonntags von 11:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Alljährlich gestalten die Hanauer Märchenfestspiele traditionelle Themen aus der Märchenwelt der Brüder Grimm in zeitgemäßen Formen und tragen so dazu bei, dass in Hanau die Erinnerung an die vielleicht bedeutendsten Söhne der Stadt immer lebendig bleibt.
Die Stadt Hanau lobt zu ihren Ehren seit 1983 alle zwei Jahre den angesehenen Brüder-Grimm-Preis für Literatur aus. Seit 1985 finden die Hanauer Brüder-Grimm-Märchenfestspiele im Amphietheater im Park von Schloss Philippsruhe statt. Gegenwärtig bemüht sich die Stadt mit dem Projekt eines Brüder-Grimm-Kultur­zentrums um eine zeitgemäße Vermittlung der Bedeutung der drei Brüder Grimm.

(Martin Hoppe in: stadtzeit. Hanau 1997)


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