Malwida von Meysenbug Gesellschaft e.V.

Die Malwida von Meysenbug-Gesellschaft wurde 1984 in Kassel gegründet. Sie pflegt das Andenken an Malwida von Meysenbug und hat sich die Aufgaben gestellt, einerseits die Erforschung ihres Lebens und Wirkens zu fördern und anzuregen und andererseits sie in der heutigen Zeit bekannter zu machen. Zu diesem Zweck initiiert sie Vorträge, Ausstellungen und Publikationen (Jahrbücher und Buchveröf­fent­lichungen). Sie verfügt über eine Biblio­thek, die kontinuierlich erweitert wird. Im Sin­ne dieser wichtigen Europäerin pflegt die Gesellschaft wissenschaftliche und persönliche Kontak­te zu interessierten Personen im In- und Ausland (Frankreich, Italien, England, USA). Wir laden Sie zur Kontaktaufnahme, zu Anre­gun­gen, Kooperation und Mitarbeit, zu wissen­schaft­lichen Forschungen und zur internationalen Ver­netzung ein. Kontakte gibt es bereits nach England, Irland, Frankreich, Italien, Japan und in die USA.

Zur Person
Malwida von Meysenbug wurde am 28. Oktober 1816 in Kassel als Malwida Rivalier geboren und verbrachte hier ihre Kindheit. Ihr Vater, Carl Rivalier, entstammte einer hugenottischen Familie. Als Freund und Hofbeamter, später Staatsminister des Hessischen Kurfürsten Wilhelms II., wurde er 1825 für besondere Verdienste mit dem Namen von Meysen­bug geadelt. Mit der reaktionären Politik in Kurhessen identifiziert, wurden er und seine Fa­milie im Zuge der Revolution von 1831 Ziel tätlicher Angriffe – bei den Unruhen wurden Steine gegen die Fenster des Hauses der Familie geschleudert, und man versuchte, es zu stürmen. Die Mutter zog daraufhin mit den Töchtern nach Detmold. Trotz der traumatischen Eindrücke in der Kindheit sympathisierte Malwida von Meysenbug immer mehr mit der Revolution von 1848, nannte sich Anhängerin der „demokratischen Partei“ und „Sozialistin“, interessierte sich für die „soziale Fra­ge“. Obwohl Frauen zu den Sitzungen des Vor­par­la­ments in der Frankfurter Paulskirche nicht zuge­las­sen waren, gelang es ihr mit gleichgesinnten Frau­en, sich Einlass zu verschaffen. Erste Ge­dan­ken zur Emanzipation der Frau wurden um diese Zeit von ihr formuliert. Nach dem Scheitern der Revolution studierte und arbeitete Malwida von Meysenbug 1850 an der, nach zwei Jahren von den Behörden wieder aufgelösten, Hamburger Hochschule für das weibliche Geschlecht. Nach einer Hausdurchsuchung in Berlin aufgrund ihrer Kontakte zu führenden Demokraten und angesichts einer drohenden Verhaftung emigrierte sie 1852 nach London. Dort versuchte sie, ihren Lebensunterhalt mit Unterrichten, Übersetzungen, journalistischen und schriftstellerischen Arbeiten zu verdienen. Sie wurde Erzieherin im Haus des russischen Revolutionärs Alexander Herzen und vertrat Mutterstelle bei der jüngsten Tochter Olga Herzen bis zu deren Heirat mit dem französischen Historiker Gabriel Monod im Jahr 1873. Malwida von Meysenbug kannte viele bedeutende Persönlichkeiten ihrer Zeit und führte einen ausgedehnten intensiven Briefwechsel mit ihnen. Das waren z.B. in London Johanna und Gottfried Kinkel, Carl Schurz, Alexander Herzen, Giuseppe Mazzini und Giuseppe Garibaldi. Als sie sich Anfang der 1860er Jahre zweimal längere Zeit in Paris aufhielt und später, als sie vorübergehend in Bayreuth und dann ständig in Rom lebte, kamen, neben vielen anderen, Richard Wagner, Friedrich Nietzsche, der Maler Franz von Lenbach und der damals noch unbekannte Romain Rolland hinzu. Mit ihrer Weltläufigkeit, der Beherrschung von fünf Sprachen und ihren breit gefächerten Interessen für kulturelle und politische Belange, kann sie mit Recht als eine Europäerin ersten Ranges bezeichnet werden. Ihr Hauptwerk erschien 1869 zunächst in Französisch, 1876, dann erweitert, in Deutsch unter dem Titel „Memoiren einer Idealistin“. Es erlebte viele Auflagen, wurde in viele Sprachen übersetzt und beeinflusste bis weit in das 20. Jahrhundert hinein Generationen von Frauen. Sie forderte die Emanzipation der Frau, verbunden mit ihrer ökonomischen Unabhängigkeit und betonte für deren Realisierung den Anspruch auf Bildung und Beruf. Darüber hinaus zeichnen die Memoiren ein interessantes Zeitbild über den Zeitraum eines halben Jahrhunderts. Malwida von Meysenbug starb am 26. April 1903 in Rom. Ihr Grab befindet sich auf dem Cimitero accatolico bei der Cestius Pyramide neben dem Grab von Goethes Sohn.

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Malwida von Meysenbug-Gesellschaft e.V.
Virchowstraße 4
34121
Kassel
Dr. Marlis Wilde-Stockmeyer
(05 61) 3 14 98 46