Brüder Grimm-Haus und Museum Steinau

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gehören zu den bedeutendsten Geistespersönlichkeiten der deut­schen Kulturgeschichte. Sie gelten als die Begründer der Germanistik und haben mit der Sammlung der „Kinder- und Hausmärchen“ Weltruhm erlangt. 1785 bzw. 1786 wurden sie in Hanau geboren. Sie waren sechs bzw. fünf Jahre alt, als sie mit den Eltern und drei weiteren Brüdern (Ferdinand, Karl und Ludwig Emil, der sich als Zeichner und Radierer einen Namen gemacht hat) 1791 nach Steinau zogen. Hier kam 1793 die Schwester Charlotte Amalie (gen. Lotte) zur Welt. Der Vater Philipp Wilhelm Grimm, selbst 1751 in Steinau geboren, war hierher versetzt worden. Vorher hatte er in Hanau als Hofgerichtsadvokat bzw. Stadt- und Landschreiber gewirkt und bekleidete nunmehr die Stelle des landgräflichen Amtmannes für die Ämter Steinau und Schlüchtern. Die Stadt Steinau an der Straße, als ehemaliger Sitz der Obergrafschaft Hanau mit herrschaftlicher Architektur und entsprechenden Verwaltungsgebäuden ausgestattet, wurde somit ab 1791 auch sein Wohnort. Die Familie zog in das im Jahr 1562 errichtete Amtshaus, wo im Erdgeschoss Räumlichkeiten für das alltägliche Leben zur Verfügung standen und im Obergeschoss der Vater seine Diensträume hatte. Die Kindheit und frühe Jugend der Brüder Grimm in Steinau ist in ihren Selbstbiographien sehr anschaulich beschrieben.

Das Amtshaus
Das Amtshaus, das heute den Namen „Brüder Grimm-Haus“ trägt, ist ein stattlicher Renaissance-Bau mit steinernem Sockel und einem Fachwerk-Obergeschoss. Das Gebäude und seine aus der gleichen Zeit stammenden Nebenbauten sind in eine großzügig gestaltete Hofanlage eingebettet, die von einer Mauer umgeben ist. Das Sockelgeschoss des Baues ist durch zahlreiche profilierte Segmentbogenfenster gegliedert. Das Obergeschoss, durch einen Treppenturm auf der Hofseite erreichbar, ist hier durch auffälliges Schmuckfachwerk ausgewiesen, das auf 21 reich skulptierten hölzernen Konsolen aufliegt und mit geschweiften Andreaskreuzen in den Zonen unter den Fenstern dekoriert ist. Bemerkenswert ist die Konsole über der spitzbogigen Eingangstür. Der als Kopf eines Fabeltieres ausgeprägte untere Teil hat eine Geister abwehrende Funktion. Die steinernen Giebelwände tragen ein hohes Ziegeldach. Unter dem Walm des vorderen Giebels trägt ein kleines hölzernes Männchen die Last des Dachfirsts auf seinem Rücken. Die mit dem Gebäude verbundene Remise stammt aus der Entstehungszeit, ein an der Südseite in spätgotischen Formen angebautes Treppenhaus stammt aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Im Inneren wurde das Haus 1904 stärker umgestaltet.

Die Ausstellung
Bis 1975 diente das Steinauer Amtshaus als Amtsgericht, später wurde es von verschiedenen Ämtern der Stadtverwaltung sowie von Vereinen genutzt. 1998 wurde das Haus für die Errichtung einer repräsentativen Brüder Grimm-Gedenkstätte mit dem Namen „Brüder Grimm-Haus“ zur Verfügung gestellt. Die Stadt Steinau an der Straße und die Brüder Grimm-Gesellschaft e.V. haben in 19 Räumen eine umfangreiche Ausstellung eingerichtet. Im Erdgeschoss ist die an Main und Kinzig verbrachte Kindheit und Jugend der Brüder Grimm dargestellt. Die Sprach- und Literaturforscher Grimm werden in einem weiteren Raum im Erdgeschoss durch Faksimiles mittelalterlicher Handschriften, Sprachkarten sowie zahlreiche Erstausgaben ihrer Werke vorgestellt. Humorvolle Skizzen des Malerbruders Ludwig Emil Grimm vermitteln einen intimen Einblick in das Leben und Arbeiten der Grimms. Ein Kabinett ist seinem künstlerischen Werk gewidmet. Vor allem durch seine vielen Portraits, Landschafts- und Genredarstellungen spielte er eine wichtige Rolle in der hessischen Kunst des 19. Jahrhunderts.

Märchenhafte Welten
Das ganze obere Geschoss des Brüder Grimm-Hauses Steinau ist dem berühmtesten Werk der Brüder Grimm gewidmet, den in über 160 Sprachen aller Erdteile verbreiteten „Kinder- und Hausmärchen“. Das ganze Museum wird zur Zeit saniert und neu konzeptioniert. Nach dem das Erdgeschoss 2009 fertiggestellt wurde, wird bis Ende 2010 das Obergeschoss mit vielen märchenhaften Objekten, Installationen und multimedialen Einheiten neu gestaltet. Da wird es neben streng wissenschaftlich orientierten Abteilungen zum Märchen im europäischen Kontext auch eine Hör-, Seh- und Fühlbar geben, eine Abteilung mit über 150 Rotkäppchen sowie eine begehbare Krone – steht doch am Ende vieler Märchen die Krönung.

Öffnungszeiten:
täglich 12:00 – 17:00 Uhr

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(0 66 63) 91 88 00
Brüder Grimm-Haus und Museum Steinau
Brüder Grimm-Straße 80
36396
Steinau an der Straße
(0 66 63) 76 05
www.steinau.de