Frank Wedekind-Gesellschaft e.V.

Frank Wedekind (1864-1918) begann seine lite­ra­rische Tätigkeit in der Epoche des deutschen Na­tu­ralismus. Seine Stücke, für die der Pluralismus dra­matischer Stile und der experimentelle Umgang mit der dramatischen Architektur charakteristischer ist als die Zeichnung sozialer Milieus und psy­cho­lo­gisch wahrscheinlicher Charaktere, setzten sich erst von 1906 an auf den Bühnen durch. Wedekind galt fortan als einer der bedeutendsten, aber auch als einer der provokantesten Dramatiker seiner Zeit. Vor allem die Thematisierung von Erotik und Sexualität führte dazu, dass er wie kaum ein anderer Autor der wilhelminischen Ära von den Einschränkungen der Zensur behindert und – besonders seit Beginn des Ersten Weltkrieges – von den Schmähungen der reaktionären Kulturkritik betroffen war. Nach Aufhebung der Zensur setzte im liberaleren Klima der Weimarer Republik eine kurze Wedekind-Renaissance ein, die den Dramatiker in den frühen zwanziger Jahren zu einem der meistgespielten Theaterautoren der Epoche machte. Von 1933 an wurden seine Werke zum unerwünschten, weil ‚zersetzenden‘ Schrifttum erklärt und seine Dramen von der Bühne verbannt. Zeitgleich mit dieser Ächtung auf dem Theater setzte die radikale Ignoranz Wedekinds seitens der Forschung ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist dann eine den zwanziger Jahren vergleichbare Wedekind-Renaissance ausgeblieben. Obwohl er heute zu den ‚Klassikern der Moderne‘ zählt, zeichnet sich eine Wiederentdeckung des Autors – auf der Bühne und in der Forschung – erst seit den siebziger Jahren ab. Für Theater und Wissenschaft glei­cher­maßen charakteristisch ist jedoch, dass sich das Interesse dabei in erster Linie auf die bekanntesten Werke Wedekinds richtet; die ‚späten‘ Dramen – etwa „Schloss Wetterstein“, „Franziska“ oder „Simson“ – werden sowohl von den Bühnen als auch von der Forschung bis heute weitgehend ignoriert. Als einer der Gründe für die bislang nur fragmentarische Kenntnisnahme dieses Autors kann gelten, dass eine kritische Edition seines Gesamtwerkes, die 1994 zu erscheinen begonnen hat, bisher nicht vorlag.

Die Frank Wedekind-Gesellschaft
Die Frank Wedekind-Gesellschaft wurde 1989 in Darmstadt gegründet, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf einen lange vernachlässigten Dichter zu lenken. Ihr Ziel ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung über das Werk und die Person des Dichters. Als eine ihrer wesentlichen Aufgaben betrachtet sie die Unterstützung der „Editions- und Forschungsstelle Frank Wedekind“ (EFW), Darmstadt, die seit 1994 das literarische Gesamtwerk des Autors in einer „Kri­ti­schen Studienausgabe der Werke Frank Wedekinds“ (8 Bde.; gefördert durch die Deutsche For­schungs­ge­meinschaft) herausgibt. Bisher erschienen sind die Bände 1/I-IV (Gedichte und Lieder), 2, 3/I-II, 4, 5/I-III, 6, 7/I-II und 8 (Dramen).

Seit 1989 erscheint das von der EFW herausgegebene und von der Gesellschaft maßgeblich unterstützte Wedekind-Jahrbuch „Pharus“ im Verlag Häusser, Darmstadt. Die bisher vorliegenden fünf Bände stellen Teileditionen aus dem literarischen und nicht-literarischen Nachlass Wedekinds dar bzw. legen Studien zu Werk und Person des Autors vor.

Seit dem Jahr 2000 gibt die Wedekind-Gesellschaft in Verbindung mit der EFW eine weitere Reihe unter dem Titel „Wedekind-Lektüren“ im Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg, heraus (bisher erschienen: Bd. 1-6). Die Frank Wedekind-Gesellschaft pflegt seit ihrer Gründung den Kontakt zu Wedekind-ForscherInnen des In- und Auslandes, zu Theatern sowie zu Rundfunk- und Fernsehredaktionen und ist seither bei einer Vielzahl von Wedekind-Inszenierungen, Lieder-Abenden und Sendebeiträgen zu Wedekind beratend tätig gewesen. Seit ihrer Gründung initiierte sie folgende Veranstaltungen:

  • Ausstellung „Frank Wedekind als Werbetexter für Julius Maggi“ im Hildebrand-Haus, München, und im The­atermuseum des Schauspielhauses Hannover (1993)
  • Vortragsreihe zu Frank Wedekind an der Hochschule Darmstadt (1991 bis 1993)
  • Wedekind-Abend in Darmstadt (in Zusammenarbeit mit der Elisabeth Langgässer-Gesellschaft (Sommer 1994)
  • Symposium „Kontinuität – Diskontinuität. Diskurse zu Frank Wedekinds literarischer Produktion (1903-1918)“ (in Zusammenarbeit mit der EFW, Oktober 1999)
  • Wedekind-Austellung in Darmstadt (in Zusammenarbeit mit der Stadt Darmstadt, 2005).

HINWEIS: Für die Richtigkeit der Informationen auf dieser Mitgliederseite ist die jeweilige Institution, wie unter „Kontaktdaten“ veröffentlicht, verantwortlich und haftbar.

(0 61 51) 16-88 98
Frank Wedekind-Gesellschaft e.V.
Schöfferstraße 1-3 (Hauptpoststelle)
64295
Darmstadt
(0 61 51) 16 88 97